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Constantin Schroeder
Aus Kultur und Kunst
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Vom Autodidakten über den Kunstkritiker zum Künstler
Magazin:Artikel & ein Interview von Burgy Zapp
Malerei, wie sind sie zur Malerei gekommen?
Constantin Schroeder: Ich habe als kleiner Bub Ölfarben geschenkt bekommen und ich hatte natürlich keine Ahnung, wie man Ölfarben verwendet. Ich war
zum Beispiel überrascht, dass man Ölfarben nicht mit Wasser auswaschen kann – damit begann die Ölmalerei bei mir mit einer riesigen Sauerei. Aber ich habe nie wieder aufgehört, zu malen. Erst habe ich auf Papier gemalt, als Schüler habe ich das Ganze professionalisiert und dann als Kopist die Werke großer Künstler eins zu eins gefälscht - vorzugsweise Impressionisten und Expressionisten. So habe ich meine Auge vermutlich geschult und handwerkliche Fähigkeiten ausgebaut.
Als Jugendlicher wollte ich natürlich immer Mal- oder Zeichenunterricht, eine professionelle Anleitung haben, auch heute wird mir das gelegentlich noch nahegelegt, um interessanter für den Kunstmarkt zu werden. Ich bin aber ein erklärter Gegner von blinder Akademiehörigkeit und einem Meinungsmonopolismus, wie er bei Galeristen und Sammlern häufig zu beobachten ist. Aus diesem Grund kommt für mich eine akademische Ausbildung – nach der ich mich früher gesehnt hätte – heute nicht mehr in Frage.
Burgy Zapp: Sind Sie Autodidakt, gibt es überhaupt anerkannte Autodidakten im Kunstbetrieb?
Constantin Schroeder: Ja, heute gibt es noch ein paar alte Hasen, die als erfolgreiche autodidaktische Künstler anerkannt sind und deren Qualitäten die Kunstwelt feiert, Künstler wie Balthus, A.R.Penck, Werner Tübke, Christian Boltanski, Daniel Buren, Niki de Saint Phalle... Ich wünschte, dass die erfolgreichen Autodidakten oder auch die "quereingestiegnen" Künstler aus der Wissenschaft wie Walter Dexel, Sigbert Hahn oder Wasili Lepanto eine Gegenposition zum gegenwärtigen perversen Kunstbetriebs bildeten und jungen Autodidakten zu einer Daseinsberechtigung verhelfen könnten.
Burgy Zapp: Sie haben Literaturwissenschaft, Kunstgeschichte und Theologie studiert, könnte man Sie als Quereinsteiger aus der Wissenschaft in die bildende Kunst bezeichnen?
Constantin Schroeder: Das stimmt wohl, denn das Interesse und die Sucht nach Kunst war bei mir immer vorhanden, theortisch wie praktisch. Der Mut und das Selbstbewusstsein aber, bildender Künstler zu werden nicht. Als Wissenschaftler und Kritiker des Kunstbetriebs im stillen Kämmerlein zu arbeiten, fiel mir natürlich leichter. Da es sich für mich bei der Malerei um eine Sucht handelt, konnte ich es aber nie lassen, weiterzumalen, trotz vehementer Widerstände – innerer wie äußerer.
Burgy Zapp: Als Kritiker Ihrer eigenen Arbeiten sind Sie sehr vorsichtig und zurückhaltend, Sie nehmen sich ein Definitionsrecht nicht heraus, sondern bestehen auf Wissenschaftlichkeit und Objektivität Dritter. Warum hat sich der Stilbegriff "Artifizieller Realismus" für Ihre Arbeiten gegenüber dem Begriff "Berliner Kompositionen" durchgesetzt und kommen Sie mit dem Urteil anderer gut zurecht? Schließlich ist die Orgie (oil on canvas 200x200 cm) im Künstlersalon Berlin schnell berühmt geworden und viele gute – leider auch unqualifizierte – Bemerkungen wurden geäußert.
Malen ist für mich wie gesagt eine Sucht, ich tue es einfach, kritisieren müssen andere. Was wäre die Kunst ohne Kritiker? Aber was wären die Kritiker ohne die Kunst? Künstler und Betrachter befruchten einander, ein Künstler kann sich nicht selbst befruchten. Mit anderen Worten: Mir fehlt die Distanz zu meinen eigenen Bilder, ich kann z.B. über Stimmung, Temperament und Lautstärke, die meine Bilder möglicherweise haben, nichts sagen. Negative Kritik geht mir jedenfalls viel näher, als ein einfaches Kompliment, vielleicht weil sie mit meiner eigenen Wahrnehmung in Konflikt stehen kann und ich hierbei neue Aspekte meiner eigenen Arbeit kennen lernen muss. Kritik stimmt mich eben nachdenklich.
Burgy Zapp: Walter Benjamin würde Ihnen sicherlich zustimmen, wie aber steht es um den Stilbegriff, und warum hat sich Artifizieller Realismus gegenüber Berliner Kompositionen als Bezeichnung Ihrer Arbeit bisher durchgesetzt?
Constantin Schroeder: Dies geschieht natürlich durch den Austausch mit anderen Künstlern und Kritikern. Stilbegriffe müssen grundsätzlich andere prägen. Der Stilbegriff wächst langsam und an der Historie einer Schaffensperiode die öffentlich reflektiert wird. Meine Bilder verdanken sich nicht nur Berliner Einflüssen und Inspirationen – das mich beeinflussende Umfeld umfasst weitaus mehr als nur Berlin. Artifizieller Realismus ist jedenfalls ein weitergreifender Begriff, der den Bildern gerechter zu werden scheint.
Burgy Zapp: Der unbeteiligte Betrachter der Orgie stellt häufig die Frage, ob die dargestellte Orgie auf persönlichen Erfahrungen des Künstlers beruht. Wie umtriebig ist ihr Privatleben wirklich?
Constantin Schroeder: Was in meinen Bildern der Phantasie entspringt und was erlebte Realität widerspiegelt, kann nur erfahren werden von Menschen, die an meinem Privatleben Teil haben.
Burgy Zapp: Vielen Dank für das Interview!
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